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Rolf Grafwallner
 
Rolf Grafwallner lebt heute in Washington D.C. und schrieb über die Zeit mit der Filmwerkschau:

"... bin gerade wieder von Deutschland zurück, wo ich vom Webseiten-Projekt erfahren habe. Mit unserer Filmwerkschau Bayern wurde zwar nicht sozial engagiert, aber doch anderweitig experimentiert. Wenngleich unser Kreis nicht über die Münchener Region hinausging, so hatten wir doch für ein paar Jahre (1974 - 78) durch die alljährlichen Filmfeste einige Ausstrahlungskraft.

So hatten wir Kontakt mit Filmer von Brasilien, Schweden, der Schweiz und Japan. Ein willkürliches Sammelsurium von Stil und Inhalt. Doch am liebsten sind mir noch die Erinnerungen an die Werkschautage in Tübingen, Berlin und - war da noch das Ruhrgebiet? Manfred Moser, Lui Will und ich haben uns der Sache angenommen und mal gemütlich, dann wieder hektisch dahingewurschtelt.

So gab es regelmässige Flmabende im Osten von München mit viel Bier und Diskussion und Filmexkursionen zu mysteriös anmutenden Landschaften, die als backdrop dienend eine andere Welt assoziieren sollten - sowie mit jungen nackten Frauen mit Schleiern durch Kiesellandschaften wandelnd. Persiflagen ausgetretener Genres war einer unserer Lieblingsansätze. So wurde das Brettspiel Provopoly zu einem Ensemblefilm cartoonträchtiger Figuren der Polizei und Anarchenszene umgesetzt.

Bei uns spielten weniger die rechtlichen Reglementierungen wie GEMA eine Rolle, sondern die technischen Unzulänglichkeiten des Mediums Super8. Schon allein die Synchronisierung und die kreative Schnitttechnik verlangte hochgradige Geduld und Nerven sowie passende technische Geräte. Ich erinnere mich an Werner Herzogs Aussage, die er während eines Workshops in unserem ersten Filmfest in Herrsching machte, wo er uns alle eintrichterte, dass die besten Ideen und der schönste Stil ohne technische Finessen nicht viel wert sind.

Filmwerkschau verbinde ich mit jugendlicher Kreativität, wo fast alles möglich und schön war und es nur darauf ankam, einfach zur Kamera zu greifen und mit Freunden eine Idee (manchmal auch Schnapsidee) filmisch zu verarbeiten.

Heute sehe ich die gleiche Kreativität bei jungen Leuten, wenn sie mit iMovie Filmprojekte auf You Tube aufladen. Die Energie ist die gleiche, nur die technischen Unzulänglichkeiten sind überwunden. Nach Herzogs Prämisse werden nur die besten Ideen und schönsten Stilformen durch technische Finesse unterstrichen. Fortschritt ja - aber der Pioniercharakter der damaligen Filmwerkschau liegt mir besser ...

Soweit aus Washington, DC
Alles Gute
Rolf