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Die Legende




Kreuzberg - die "Hochburg der Haus­besetzer" (BILD, BZ, RIAS usw). Das war natürlich alles andere als falsch ...

Heute wirken die Hausbesetzer nur noch indirekt nach. So scheint es. Nach etwa 30 Jahren geht eine Zeitsphase in die Reflexion, so die Meinung von Historikern und wird damit zur "Geschichte" gerechnet.

Unumstritten - aber noch nicht überall aufgefallen - ist die Tatsache, dass die Haus­besetzer (die sich anfangs selbst "Instandbesetzer" nannten), das historische Stadtbild gerettet haben.

Nicht nur in Kreuzberg; aber dort ging es eben ums Ganze. (> siehe 'Block 103') Die Altbauten wären weitflächig niedergemacht worden, wenn die Maschinerie nicht durch die Reformer, vor allem aber durch die Besetzer - ganz praktisch -gestoppt worden wäre. Die Architektur vom Kottbusser Tor hätte überall dominiert.

Wobei zu bemerken wäre, dass das "NKZ" - der Name!: Es kann nur Zynismus made Ende der 60er gewesen sein -, dass das "Neue Kreuzberger Zentrum" um den Kotti heute faktisch vom Stadtteil integriert worden ist. Denn auch dort pulsiert das Leben.

Die "behutsame Stadterneue­rung", die ab 1981 mit Hilfe der IBA, der "Internationalen Bauausstellung", die damals glücklicherweise in Berlin stattfand, dann ebenso vorsichtig durchgesetzt werden konnte, hat später dahin gehend gewirkt, dass ab 1990 im Ostteil von vorne rein die Abrissmaschinerie nicht zum Zuge kam, auch wenn natürlich die Mietentwicklung in den gut sanierten Vierteln ein Ärgernis ist.

Zurück zur Legende:

Die Geschichte rückt mit ihrer Chance zum distanzierten Blick vieles zurecht und die Jugend der 70/80er-Jahre hatte sich ein Herz gefasst und gegen den sturen Willen von Politikern und Wirtschaftsmachern - deren Justiz nicht zu vergessen - den Berlinern, den Deutschen, tatsächlich die lebenswerte Stadt erhalten.

Mit viel Leid, Denunziation, lebenslanger Diskriminierung, Verletzung, - aber auch mit viel Spaß, Gefühl von Gemeinsam­keit und Stärke, sogar ein wenig Triumph. Vielleicht sollten auch wir - die Generation der Hausbesetzer - damit zufrieden sein. Und wenn noch nicht ganz, so bietet die neue Zeit eben auch neue Chancen.

Kreuzberg, so wie es heute ist und die Jugend der Welt zu Hunderten, sicher noch mehr, nach Berlin zieht, ist nicht durch die Hausbesetzer entstanden - sondern schon etwas früher -, aber die 'Bewegung' hat die Entwicklung entscheidend stabilisiert. Eine 'Hochburg', von der andere Cities nur träumen können. Hier wird trotz allen Lästerzungen Weltverständigung geschmiedet.

Es ist die massive und zugleich quirlige Alternative zu den Wohnsilos, zu der stupiden Wolkenkratzer-Society, zu den vermauerten Arealen der Stadtvillen, auch zu den Gang- und Lumpen-verseuchten Ghettos. All around the world.

Anschauen kann man alles.

Kreuzberg muss nicht zum 'Exportartikel' werden - es wächst von selbst weiter ...

Keine Atempause.