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Die Mauer




Die Mauer war natürlich kein Kreuzberg-typisches Phänomen, doch wurde SO 36, die alte Luisenstadt, zu fast zwei Drittel von ihr umschlossen. Diese Begrenzung war zumeist identisch mit dem Verlauf von Landwehrkanal und Spree und bot in ihrem 'Schatten' auch vielerlei Refugien von Stille und Einsamkeit.

Vor allem der Bereich um die Oberbaumbrücke, dem auch nur dürftig frequentierten Grenzübergang für West­berliner, steckte voller zugänglicher 'exterritorialer Gebietsstreifen'.

Im Frühjahr 1980 wurde hier die alte, z.T. notdürftig und mit verschiedenen Materialien zusammen geflickte Staatsgrenze durch die heute bekannten Betonelemente ersetzt. Dabei war es nicht zu umgehen, dass es für Neugierige ungewöhnliche Einblicke gab.

Die Entwicklung zum heutigen, rastlos-quirligen Stadtteil - so meinen zumindest Alteingesessene - wäre kaum zu verkraften gewesen, wenn sich die Region nicht über mehrere Jahrzehnte so stark (durch die Mauer) abgeschottet, in Ruhe hätte entwickeln können.

In der Geschichte verblassen Gut und Böse zugunsten der Wirkungen.