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Die Menschen


Der Zuzug ausländischer Mitbürger - wie überall in Westdeutschland durch Anwerbungen von Arbeits­kräften in der Türkei erfolgt - setzte bereits in den 60ern ein und hat sich in den folgenden Jahrzehnten hin zur multi­kulturellen Metropole verstärkt. Ob diese Integration als "gelungen" oder nicht bezeichnet wird, ist letztlich eine müßige Frage - historisch ist es ein friedlich verlaufenes Phänomen und auch keine Entwicklung, die sich nach wenigen Jahrzehnten beurteilen lässt. Jeder 'Schmelz­tiegel' glüht und lässt die Ränder bröckeln.

Einen winzigen Ausschnitt aus dem Geschehen dieser Verschmelzung bedeuten die Filmaufnahmen vom Januar 1980, die auch noch die damalige Frontstellung bezeichneten: Cellaletim Kesim, ein linker, türkischer Gewerkschafter wurde von den faschistischen türkischen "Grauen Wölfen" ermordet.

Eine unendliche Demonstration, die Solidarität auch der Griechen - zu dieser Zeit durchaus bemerkenswert -, der deutschen Gewerkschaften und vieler Bewohner, machte klar, wo sich hier die Mehrheit befand.

Diese politischen Fronten gibt es heute kaum mehr, die Religionszugehörigkeit scheint die heutigen Spannungen in Deutschland zu dominieren. Es darf jedoch vermutet werden, dass gerade in Kreuzberg, wo das gegenseitige Kennenlernen sich kaum ausschliessen lässt, die Verständigungsbereitschaft am besten entwickelt ist ...

Denn inzwischen zählen zu den "alten Kreuzbergern" - immer die maßvollen 'Elemente' - auch viele Schnauzbärte, Grauköpfe und ihre Damen aus dem Orient.