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Der Stadtteil




Kreuzberg, so wie es heute besteht, wurde im Jahre 1920 im Rahmen einer Verwaltungsreform, die 8 Städte, 59 Dörfer und 27 Gutsbezirke zu 'Berlin' zusammenschloss, zuerst "Bezirk VI", dann aber doch bald nach der höchsten Erhebung, dem Kreuzberg, benannt.

Das Areal des neuen Stadtteils bestand aus der Tempelhofer Vorstadt, der Südlichen Friedrichsstadt und der Luisenstadt - letztere der Bereich des heute vor allem gemeinten 'Kreuzberg 36'. Die Ziffer leitet sich vom alten Postbezirk ab.

Die Seele der alten Luisenstadt war das 1847 als Krankenhaus gebaute Bethanien, es gab kaum jemandem, der dort nicht mindestens einmal Zuflucht, Heilung oder ein erträgliches Sterben gesucht hatte. Oder dort geboren wurde.

Spätestens nach dem Krieg war es aber nicht mehr zu gebrauchen - die Karboldünste wurden Anfang der 70er von den Joints jugendlicher Besetzer vertrieben. Das "Rauch-Haus" wurde Schauplatz der ersten wilden Rebellion nach den doch eher meist geordneten Aktivitäten der 68er.

Heute dienen die Räumlichkeiten vielfältigen Zwecken - dass grösste Gewicht besitzt das "Künstlerhaus Bethanien", - Druckwerkstatt, Ausstellungs- und Aufführungsräume, Bibliotheken. Dort auch das Heimatmuseum des Bezirks. Alle Generationen fanden hier für Ideen und Ansprüche ein Unterkommen.

Vor dem Bethanien liegt der Mariannenplatz mit schönem, altem Baumbestand - im Norden wird der Platz von der St.-Thomas-Kirche abgeschlossen, die vor dem Fall der Mauer die grösste Kirche West-Berlins war.

Gerade der Bereich der Luisenstadt wurde im 19. Jahrhundert zum rasch wachsenden Arbeiterviertel; der 1850 beendete Ausbau des Landwehrkanales vervielfachte die Transportmöglichkeiten, über den Görlitzer Bahnhof wurde ganz Berlin mit Kohlen versorgt, die Hochbahn wurde 1902 gebaut.

Einer der wichtigsten Übergänge war die lange versperrte Oberbaumbrücke.

Bei Kriegsende 1945 waren in gesamten Kreuzberg 50 % der Wohnungen zerstört. Vor allem die westliche Luisenstadt war Ruinenlandschaft. Nachdem sich die Berliner wieder einigermaßen aufgerappelt hatten, beschloss der Senat 1964/65 ein erstes Stadterneuerungsprogramm. Die Signale waren auf Neubau, also auf Abriss gestellt. Durch Kreuzberg sollte eine Autobahn gebaut werden - dazu fanden sich auch Gesinnungsgenossen im Ostteil der Stadt.

Doch schon Anfang der 70er kamen andere Perspektiven in die Diskussion und die Grundlagen für den Aufeinanderprall nicht nur der Meinungen waren gelegt.

( Zur Stadtentwicklung siehe > Hausbesetzer > Sanierung ) In den 70ern zogen Jugendliche und Studenten nach Kreuzberg, die durchaus als vermittelnde 'Kraft' zwischen den Alteingesessenen und den Ausländern wirkten, diese Generation war tolerant, kommunikationsfreundlich und brachte viele neue Ideen mit.

Der 'Gründungseifer' ab Mitte der Siebziger traf sich mit den Kleinhandelstalenten der Türken und es entstand die damals oft zitierte "Kreuzberger Mischung" - eine Betriebsamkeit, die den Kontrollorganen viele neue Aufgaben stellte. Grundsätzlich war Kooperation angesagt, auch wenn noch viele den Begriff nicht so richtig verstanden.

Hist. Quelle: Baedekers BERLIN-KREUZBERG ( Stadtführer 1977 )